NOZ-Artikel vom 4. Mai 2019

Mit Trauergarten und Kuchenküche

Moderne Bestattungskultur in Sutthausen

Osnabrück Trauernde haben oft den Wunsch, vor der Einäscherung oder dem Begräbnis noch möglichst viel Zeit an der Seite des Verstorbenen zu verbringen. Das Bestattungshaus Baumgarte & Peistrup macht dies in seinen neuen Räumen an der Eduard-Pestel-Straße in Sutthausen möglich. Das Familienunternehmen reagiert mit der Investition auf die sich verändernde Bestattungskultur.

Unabhängig von den Öffnungszeiten können Angehörige und Freunde mit einem individuellen codierten Chip die jeweils nach persönlichen Wünschen gestalteten Abschiedszimmer „Himmel“ oder „Engel“, in denen der Verstorbene aufgebahrt ist, betreten, wann immer sie es möchten. Es ist nicht die einzige Neuerung, die mit dem Umzug in die in Form einer Kapelle umgebaute ehemalige Industriehalle einhergeht. Die größere der beiden Trauerhallen, die Platz für 40 oder 80 Stühle bieten, enthält moderne Medientechnik. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass Trauerfeiern individuell und auch weltlicher gestaltet werden.

Alles Organisatorische rund um die Bestattung wird den Kunden von den Bestattungsprofis abgenommen, aber ganz bewusst nicht alles, denn den Menschen tue es gut, wenn sie sich selbst in den Gestaltungsprozess einbringen und „etwas tun können“, hebt Andrea Brand hervor, die vor 20 Jahren das alteingesessene Familienunternehmen in dritter Generation von ihren Eltern übernommen hat. Das fange beim Adressieren der Trauerkarten an und gehe über das Einkleiden des Verstorbenen bis hin zu seiner Sargausstattung. Von ihrem Mann Randolf wird Brand ebenso bei der Umsorgung der Verstorbenen und der Entlastung der Angehörigen unterstützt wie von ihrer Tochter Laura, die sie selbst als Bestattermeisterin ausgebildet hat und die bereits die kommende Generation des Hauses Baumgarte & Peistrup verkörpert.

Im langen Flur wie im großen Trauerraum hängen großformatige Bilder des russischen Künstlers Yury Kharchenko, der im vergangenen Jahr im Felix-Nussbaum-Haus ausgestellt hat. Im Garten der Erinnerung, der als Rückzugsmöglichkeit in natürlicher Umgebung dienen soll, sorgen Edelstahlbrunnen und Skulpturen von Volker-Johannes Trieb für eine beruhigende Atmosphäre. Auf Schiefertafeln können persönliche Gedanken und Erinnerungen an den Verstorbenen aufgeschrieben werden.

Drinnen im Raum der Begegnung muss es zu dessen Gedenken nicht unbedingt der traditionelle Butterkuchen sein. In einer Küche kann am Vorabend der Feier der jeweilige Lieblingskuchen des Verstorbenen gebacken werden. Schließlich bedeutet dessen Tod auch immer die Feier seines Lebens.

Die Zeitspanne der Trauer, bevor man sich wieder dem öffentlichen Leben zuwende, sei kürzer geworden. Umso wichtiger sei es, zeitlich selbstbestimmt an der Seite des Verstorbenen Abschied nehmen zu können, betont die Trauerbegleiterin. Bis zu acht Tage lang kann das Abschiedszimmer Tag und Nacht besucht werden. Fast zwei Drittel aller Osnabrücker wünschen sich eine Feuerbestattung – mit zunehmender Tendenz. Nach der Verbrennung kann die Urne bei Baumgarte & Peistrup bis zu vier Wochen in einem Kurzzeit-Kolumbarium aufgestellt werden. So bleibt auch dann noch einmal Zeit, sich zu verabschieden.

Eröffnungsfeier vom 21. März 2019

Neuer Firmensitz unseres Bestattungshauses feierlich eröffnet

Bei frühlingshaftem Wetter haben wir am vergangenen Donnerstag die Eröffnung unseres Bestattungshauses am neuen Standort an der Eduard-Pestel-Straße gefeiert. An die 120 Gäste, darunter unter anderem Handwerker, Freunde, Weggefährten sowie katholische und evangelische Geistliche, haben sich ein Bild von den neuen Räumlichkeiten und Abschiedsmöglichkeiten sowie dem Außengelände gemacht. Ihre herzlichen Glückwünsche und interessierten Fragen haben dazu beigetragen, dass uns dieser Tag noch lange in besonderer Erinnerung bleiben wird. Ebenfalls unter den Gästen: Floristen, Trauerredner und Künstler der Bilder und Objekte unserer Sammlung, die wir nun in den neuen, großzügigen Räumlichkeiten in Gänze unseren Besuchern zeigen können.  Die Harfenistin Nicole Müller verlieh der Feier eine besondere Atmosphäre, regionale Caterer sorgten mit diversen Köstlichkeiten dafür, dass unsere Gäste noch bis in den Abend zu Gesprächen und Gedankenaustausch in unserem Haus verblieben sind.

Dank an Handwerker, Team und Familie

Den zahlreichen Handwerksbetrieben aus der Region für ihre gute und zuverlässige Arbeit im Rahmen der Eröffnungsfeier zu danken, war uns sehr wichtig. Das in sie gesetzte Vertrauen sind sie bei der Gestaltung unseres neuen Bestattungshauses in vollem Umfang gerecht worden. Unser Dank richtete sich außerdem an das Mitarbeiterteam und unsere Kindern, auf deren Hilfe und Unterstützung wir während des Umbaus und der Eröffnungsfeier immer zählen konnten. Allen voran unsere Tochter Laura. Ohne ihre Entscheidung vor zehn Jahren für den elterlichen Betrieb wären wir diesen Schritt, unsere Arbeit an einem neuen Standort fortzusetzen, nicht gegangen. Wir sind dankbar, dass wir gemeinsam in den neuen Räumlichkeiten unsere Arbeit fortsetzen und getreu unserem Anspruch, professionell, liebevoll und herzlich Menschen in der schweren Zeit der Trauer begleiten können.

Ansprüche und Wünsche des Verstorbenen im neuen Bestattungshaus verwirklicht

Sehr berührt hat uns der Vortrag unseres Freundes Prof. Dr. Felix Osterheider. Er machte in seinem Vortrag deutlich, dass der Tod zum Leben dazu gehört und wir uns auf den eigenen ebenso wie auf den von Angehörigen vorbereiten sollten. So hätten wir die Möglichkeit dem Verstorbenen einen würdevollen Abschied zu gestalten: „All das, was die Persönlichkeit und Ausstrahlung eines Menschen ausgemacht hat, soll auch im Moment des Abschiednehmens spürbar sein.“ Viele gute Ideen, die die Persönlichkeit des Verstorbenen und die individuellen Ansprüche, Wünsche und Rituale berücksichtigen, seien in unserem Bestattungshaus verwirklicht, stellte Osterheider unter anderem mit Blick auf den 24 Stunden-Zugang zu den Abschiedsräumen  fest. Besonders gefreut haben wir uns außerdem über die wertschätzenden Worte von Reiner Möhle, dem Präsidenten der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland –Grafschaft Bentheim, und Beate Jakobs, Vorstand der Volksbank Osnabrück.

Tag der offenen Tür am 5. Mai 2019

Nach dem Fest ist vor dem Fest. Schon jetzt blicken wir mit Spannung und Freude auf den Tag der offenen Tür am Sonntag, 5. Mai 2019. Ab 11 Uhr sind Menschen aus Osnabrück und Umgebung dazu eingeladen, unsere neuen Räumlichkeiten in Augenschein zu nehmen und mit dem Team von Baumgarte & Peistrup in Kontakt zu treten.

Aktuelles

Tag der offenen Tür am 5. Mai 2019

Tag der offenen Tür am 5. Mai 2019

 

 

Wie ist das eigentlich, wenn man tot ist?

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Eine Frage von einem Kind. Und wie so oft, wenn Kinder fragen, ist dies nicht nur unverblümt und entwaffnend offen, sondern trifft in aller Einfachheit sogar den Kern vieler tiefsinniger Gedanken von Erwachsenen.

Wir alle wissen und begreifen nicht, was der Tod ist. Wie er sich anfühlt, welche Gestalt er hat, welche Dimension. Folglich ist das eine vollkommen berechtigte Frage – wie ist das eigentlich, wenn man tot ist? Wir alle, die wir am Leben sind, wissen es nicht. Wir haben den Tod noch nicht erfahren, jedenfalls nicht bewusst oder in einer Form, derer wir uns erinnern könnten. Woher also sollten wir es wissen? Lediglich auf der imaginären Ebene können wir uns damit beschäftigen und versuchen, uns eine ungefähre Vorstellung vom Unbegreiflichen zu machen.

Wenn wir zu Lebzeiten mit dem Tod konfrontiert werden, dann ist es zumeist, weil wir einen nahestehenden Menschen verloren haben. Statistisch gesehen, erlebt ein Mensch alle 13 Jahre einen Sterbefall in der Familie oder im nahen Umfeld. Das bedeutet, dass wir uns nur alle 13 Jahre intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen müssen. Der geliebte Mensch fehlt uns, wir vermissen ihn schmerzlich, wir bleiben ohne ihn in diesem Leben. Wir trauern und denken, nun wäre sie da, die Konfrontation mit dem Tod. Jedoch geht es beim Erleben eines Trauerfalles mehr um die Auseinandersetzung mit dem Verlust als um die mit dem Tod. Die Beschäftigung mit uns und der Frage „Was bedeutet das nun für mich?“ steht im Vordergrund.

Wie wäre es, wenn wir in Zeiten der Trauer versuchen würden, uns ein wenig mehr die Welt der Verstorbenen vorzustellen? Wie geht es dem verlorenen Menschen nun dort, wo auch immer er sein mag? Es besteht die Hoffnung, dass dort alles gut ist. Ohne körperlichen Schmerz, ohne Angst und ohne Leiden.

Bucket List oder: Gas geben, bevor es zu spät ist.

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Was wollen Sie eigentlich noch erreichen oder einfach nur erleben? Die „Bucket List“ ist in aller Munde, eine Art Wunsch- oder „to-do“-Liste für den Rest der verbleibenden Zeit – ab jetzt!

An Traumorte reisen, eine Fremdsprache lernen, an einer Demo teilnehmen und verhaftet werden, im Netz neue Bekanntschaften schließen, nackt baden, einen Flugschein machen, ein Abenteuer erleben, weniger arbeiten und den Garten nach Yin-Yang umgestalten und genießen? Die Antwort auf die Frage dürfte vielfältig und sehr persönlich sein. Was für den einen ein Abenteuer ist, ist für den anderen Alltag.

Der Begriff „Bucket List“ kommt aus Amerika und geht auf die Redewendung (frei übersetzt) „kick the bucket“ – den Löffel abgeben zurück. Es geht also um Dinge, die man tun sollte, bevor man den Löffel abgibt. Eigentlich ist das nichts Neues, doch fängt das „Bevor“ heute eher an – und das ist gut!

Für die „1000 Plätze, die man sehen muss, bevor man stirbt“* benötigt man sicher mehr als ein paar Monate und warum überhaupt erst gegen Ende mit dem Abarbeiten der „to-do“-Liste anfangen? Dieser Einstellung folgt auch Nelly Furtado in ihrem Song „Bucket List“. Der Film „The Bucket List“ mit Morgan Freeman und Jack Nicholson aus dem Jahr 2007 ist dramatisch, amüsant und sicher überzogen und trifft doch den Punkt: Machen, so lange man kann!

Also, bevor Sie den Löffel abgeben – und besser lang, bevor Sie den Löffel abgeben:

Leben Sie!

Das Rätsel um die Seele

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Man sagt, die Augen seien der Spiegel der Seele, wir sprechen von einer „guten Seele“, wenn wir einen lieben Menschen beschreiben, sind „ein Herz und eine Seele“, wenn wir uns gut verstehen, fühlen uns seelenverwandt oder sind beseelt. Wir können „die Seele baumeln lassen“, finden unseren „Seelenfrieden“ oder haben „unsere Seele verkauft“. Und obwohl wir den Begriff so selbstverständlich verwenden, wurde wissenschaftlich nie bewiesen, ob es die Seele überhaupt gibt oder was genau damit gemeint ist.

Jedoch hat der Glaube daran, dass wir tief in unserem Inneren eine unsterbliche Essenz haben, die Menschen über die Jahrhunderte hinweg geprägt. In allen fünf Weltreligionen geht man davon aus, dass sich die Seele nach dem Tod vom Körper trennt, weiter existiert oder in einer anderen Gestalt wiedergeboren wird. Daher gibt es den althergebrachten Brauch, das Fenster zu öffnen, wenn ein Mensch verstorben ist, damit die Seele hinausfliegen kann.

Menschen, die eine sogenannte Nahtoderfahrung hatten, berichten übereinstimmend von ihrem Eindruck, über dem physischen Körper geschwebt und die Ereignisse von oben betrachtet zu haben. Danach, so sagen sie, fühlten sie sich hineingezogen in einen Tunnel, an dessen Ende ein helles Licht leuchtete.

Wissenschaftler erforschen heutzutage die Zusammenhänge zwischen physikalischen Gesetzmäßigkeiten und der Existenz eines unsterblichen Bewusstseins, das als Seele bezeichnet werden könnte. Genauso wie Materie, Energie, Raum und Zeit könnte es zu den Grundelementen der Welt gehören. Es geht nach wie vor um die Frage, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, und das Rätsel um die Seele ist noch lange nicht gelöst.

Gemeinschaftsprojekt mit der Hochschule Osnabrück

"Das Thema Tod ins Leben holen" im Wintersemester 2019

Das Gemeinschaftsprojekt "Das Thema Tod ins Leben holen" des Bestattungshauses Baumgarte & Peistrup mit Studenten der Hochschule Osnabrück unter Leitung von Prof. Dr. Felix Osterheider.

In dieser Veranstaltung wird es darum gehen, mit unserem Bestattungshaus das Thema Tod, Sterben und die damit zusammenhängenden Herausforderungen kommunikativ neu zu positionieren. Es sollen Lösungen erarbeitet werden, die den Tod als unausweichliches Faktum seinen Schrecken verlieren lassen. Zum Schluss wird in unserem Haus eine Abschlussveranstaltung mit den Studenten stattfinden, in der die Ergebnisse im Rahmen einer Präsentation vorgestellt und besprochen werden.

 

„Auch Sterbende haben das Recht, am Leben teilzuhaben.“

So die Maxime der Engagierten im Projekt „Letzte Hilfe“ mit Sitz in Schleswig.

Die Idee ist einfach und klar, denn die „Letzte Hilfe“ ist das Pendant zur „Ersten Hilfe“ und beruht letztendlich auf den gleichen humanen Grundsätzen.

Eine kleine Definition:

Erste Hilfe bedeutet: die Bereitschaft, Maßnahmen zur Hilfe bei akuter Verletzung und Erkrankung zu ergreifen mit dem primären Ziel, das Überleben der Betroffenen zu sichern.

Letzte Hilfe bedeutet: die Bereitschaft, Maßnahmen zur Hilfe bei lebensbedrohlichen Erkrankungen zu ergreifen mit dem primären Ziel der Linderung von Leiden und der Erhaltung von Lebensqualität.

Seit 2015 gibt es Letzte-Hilfe-Kurse, zu Beginn einige wenige, mittlerweile viele über ganz Deutschland verteilt. Ausgezeichnet mit dem „Anerkennungs- und Förderpreis für ambulante Palliativversorgung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin“ 2015* und bei der „startsocial-Bundesauswahl“ 2015* geehrt durch die Bundeskanzlerin, trifft das Projekt mitten in die Gesellschaft. Spiegel Online, der WDR, ARTE, die FAZ und viele andere Medien berichten regelmäßig darüber.

Die Kurse beinhalten vier Themenschwerpunkte, innerhalb derer vor allem auch über die Normalität des Sterbens und den Umgang damit gesprochen wird. Es geht darum, Ängste zu nehmen, praktische Handreichungen zu üben und den sterbenden Menschen human zu begleiten.

Kursmodule Letzte-Hilfe-Kurse:

1. Sterben ist ein Teil des Lebens
2. Vorsorgen und entscheiden
3. Leiden lindern
4. Abschied nehmen vom Leben

Detaillierte Informationen über das Projekt und über die Kurse sind unter www.letztehilfe.info zu finden.

*Quellen: Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, startsocial e.V.



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Chatten für die Trauer: doch-etwas-bleibt.de

Chatten, posten, teilen – das sind Schlüsselwörter für die heutige Kommunikation vor allem jugendlicher Menschen. Beim Thema Tod und Trauer sind viele Jugendliche allerdings online und auch offline schlecht bedient. Denn es gibt diverse, vor allem lokale Angebote für Erwachsene und auch Kinder, aber sehr wenig speziell für die Zielgruppe Jugendliche und junge Erwachsene.

Gerade für Jugendliche ist eine nahe Trauererfahrung schwer einzuordnen, kaum zu beschreiben und noch weniger auszuhalten. Das Thema Tod ist quasi kontraproduktiv, geht doch ihr Leben eigentlich gerade erst richtig los.

Ein - wenn man möchte: anonymer - Chatroom in einem für Jugendliche vertrauten und verlässlichen Umfeld ist für viele der rettende Anker. Hier kann man sich etwas trauen, in seiner eigenen Sprache sprechen und, noch wichtiger: Der Betroffene erhält eine direkte Antwort von ebenso betroffenen Jugendlichen.

Die Onlineplattform doch-etwas-bleibt.de bietet schon seit 2009 ihre Dienste an. Das Besondere: Die Chatbegleiter sind selbst Jugendliche und junge Erwachsene, die eigene Trauererfahrung gemacht haben. Die Chatbegleiter werden regelmäßig professionell geschult und vom Hospizverein Bedburg-Bergheim unterstützt. Ihr Ausdruck und ihre Empathie jedoch sind natürlich anders als bei den oftmals älteren Trauerhilfe-Profis. Sie sprechen die gleiche Sprache wie die Betroffenen, befinden sich in ähnlichen Lebenssituationen und nutzen die gleichen Medien. Eine Kommunikation auf Augenhöhe!

Das Konzept von doch-etwas-bleibt.de ist in Deutschland einzigartig und wird sehr gut angenommen. Es gibt aber auch noch weitere Plattformen mit unterschiedlicher Herangehensweise, wie z.B. da-sein.de oder die-muschel-ev.de


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Das Hörbuch für Hinterbliebene

„Ich vermisse meine Mama so sehr. Vor allem ihre Stimme.“

So geht es vielen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Noch einmal die vertraute Stimme zu hören, das ist ein oft gehörter Wunsch von Trauernden. Die Stimme hat viel mit „Stimmung“ zu tun. Sie sagt eine Menge über die Persönlichkeit und über die Gefühlswelt des Menschen aus. Gerade deswegen fehlt die Stimme im Leben der Hinterbliebenen. Der geliebte Mensch mit all seinen Facetten, seinen Stimmungen, seiner Ausstrahlung ist nicht mehr da. Es fühlt sich an, als wäre die Stimme unwiederbringlich.

Diese Gedanken hatte auch die Journalistin Judith Grümmer aus Köln und entwickelte daraus ihre Dienstleistung und ein beeindruckendes Produkt. Sie bietet ihren Kunden die Produktion von individuellen Hörbüchern an.

In diesen Hörbüchern erzählen die Menschen aus ihrem Leben. Die eigene Biografie, Geschichten und Erlebnisse sowie Erfahrungen werden so für die Nachwelt bewahrt. Die Stimme des Menschen, die eigene Art des Erzählens und die unverwechselbare Persönlichkeit werden so unsterblich. Die Hörbücher sind dadurch in hohem Maße authentisch, glaubwürdig und persönlich.

„Alles, was Stimme hat, überlebt“, so Judith Grümmer, deren Arbeitsschwerpunkt vor allem in der Begleitung von Palliativpatienten liegt. Im Rahmen eines im März 2017 angelaufenen Forschungsprojektes der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Bonn bietet sie insbesondere schwer erkrankten Müttern und Vätern an, mit ihr gemeinsam Familienhörbücher für ihre noch minderjährigen Kinder zu erarbeiten.

Die Patienten erzählen aus ihrem Leben, darüber, was ihnen wichtig ist und was sie weitergeben möchten. Es wird geplaudert, gelacht, geweint oder gesungen. Unter dem Motto „Was ich Euch noch sagen wollte“ entstehen so besonders emotionale und individuelle Erinnerungen.

Mehr Infos unter http://www.familienhoerbuch.de

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Gute Wünsche an die Lebenden

Was wünschen wir uns, wenn wir uns vorstellen unser Leben wäre am Ende?

Wir möchten sicher sein, dass unsere Lieben und Angehörigen Trost und vor allem auch Zuversicht spüren. Niemand möchte mit dem Gefühl gehen, dass aus Tränen eine lebenslange Verzweiflung oder Ausweglosigkeit bei den Menschen entsteht, die einem besonders nahe stehen.
Und das ist es, wie wir Trost empfinden können. Wenn wir als Hinterbliebene ganz genau wissen, dass es der Wunsch des Verstorbenen gewesen wäre, uns nicht so traurig zu sehen.
Eine schöne Idee ist es, unsere Wünsche an die Lebenden schon heute zu formulieren.
Sie könnten lauten:
Lach wieder und sei fröhlich, auch ohne mich!
Sei stark und tapfer.
Hab keine Angst.
Gehe Deinen Weg mutig weiter.
Du schaffst das.
Gib niemals auf.
Verwirkliche Deine Träume.
Betrachte jeden Tag als Geschenk.
Verliebe Dich, liebe und genieße Dein Leben.
Denk dabei manchmal an mich. Ich bin bei Dir.
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Das Leben ist Veränderung

Einatmen, aufatmen, durchatmen! Den Duft der ersten zarten Knospen und Blumen wahrnehmen. Frühlingsduft – und zwar endlich nicht mehr nur aus der Weichspüler-Flasche, sondern draußen in der Natur. Die Vögel begrüßen uns morgens mit fröhlichem Gezwitscher und die Sonne taucht die Welt in ein wärmeres Licht. Wie haben wir uns danach gesehnt!


Das, was der Frühling uns jedes Jahr bringt, ist Veränderung. Alles verändert sich, alles endet irgendwann, damit etwas Neues beginnt. Eine Tür schließt sich, eine andere Tür geht auf. Es ist nicht viel Schlimmes daran, dass eine Blume verwelkt. Warum eigentlich nicht? Weil eine neue Blume wächst. Niemand ist traurig darüber, dass jeden Abend ein Tag zu Ende geht. Denn es kommt ein neuer Tag.

Panta rhei − Alles fließt.

So formulierte Platon die sogenannte Flusslehre Heraklits. Die Flusslehre besagt, dass alles fließt und nichts bleibt. Es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln. So, wie das Wasser im Bach immer in Bewegung ist, so sind alle Lebewesen, Pflanzen und Dinge in der Welt immer in Veränderung. Nichts bleibt, wie es ist. Ein Leben vergeht und es kommt ein neues Leben. Wenn alles fließt, dann ist das ein tröstlicher und vor allem zuversichtlicher Gedanke.

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Und zuletzt ein Schnäpschen zu Ehren …?


Eine wahre Geschichte.

An einem Freitagmorgen, auf einem kleinen Friedhof einer kleinen Gemeinde, in einer kleinen Stadt in der Mitte Deutschlands:

Stefanie S., Friedhofsgärtnerin, ist zuständig für die Erstellung eines Urnengrabes. Die Erde muss fachmännisch ausgehoben, ein Vlies eingelegt und das Gelände rund um das Urnenloch gesichert werden. In einer Stunde soll es losgehen, bestellt sind zusätzlich eine Schale mit Erde nebst einer Schaufel und eine Schale mit Rosenblättern, diese bringt der Bestatter mit.

Aber nicht nur diese, bei einem letzten Blick auf die vorbereitete Grabstätte stellt die Friedhofsgärtnerin weitere Accessoires fest: einen kleinen Bistrotisch, eine ganze Reihe Schnapsgläser und eine volle Flasche Marillenschnaps. „Ich war schon etwas verwundert und da es meine letzte Runde an diesem Tag war, beschloss ich, mir diese Verabschiedung aus respektvollem Abstand anzuschauen.“

Nachdem die eher fröhlich gekleidete Trauergemeinde eingetroffen war, wurde die Urne nach der Trauerrede ablaufgemäß in dem Urnengrab versenkt. Jeder einzelne Gast, um die 20 Erwachsene, verabschiedete sich am Grab, klassisch mit einer Schaufel Erde oder einer Handvoll Rosenblätter − und ein jeder mit einem Schnäpschen. Einen Schluck auf den Verstorbenen und ein Schluck für den Verstorbenen − direkt ins Urnengrab.

„So etwas habe ich bis jetzt noch nicht erlebt, das alles ging sehr anständig und respektvoll ab und man hatte das Gefühl, dass das bestimmt ein Wunsch des Verstorbenen war.“

Schön zu wissen, dass Bestatter auch ungewöhnliche, aber umsetzbare Wünsche erfüllen und Friedhöfe sich dabei nicht querstellen!

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